Klipphausen hilft Asylbewerbern (SZ vom 05.11.2015)

Klipphausen hilft Asylbewerbern

Das Asyl-Netzwerk erarbeitete für 35 Flüchtlinge aus Syrien, Irak und Pakistan ein Info-Heft und unterstützt mit Sachen und Deutschkursen das Eingewöhnen.

Von Dieter Hanke

Deutschunterricht gestern Abend für Asylbewerber. Das Asyl-Netzwerk organisiert diesen zweimal wöchentlich.
Deutschunterricht gestern Abend für Asylbewerber. Das Asyl-Netzwerk organisiert diesen zweimal wöchentlich.

© Claudia Hübschmann

Klipphausen. Klipphausen weiß über die Schwierigkeit. Die Gemeinde will Menschen helfen, die Schreckliches erlebt haben und in Not sind. Andererseits gibt es Ängste und Sorgen von den Einheimischen und auch Vorurteile gegenüber Flüchtlingen. „Deshalb brauchen wir Toleranz, Verständnis und klare Informationen“, sagt Bürgermeister Gerold Mann. Die Gemeinde hat deshalb schon vor Monaten das Asyl-Netzwerk Klipphausen gebildet, wo gegenwärtig über 70 Einwohner ehrenamtlich mitarbeiten. Seit einigen Tagen leben in privaten Häusern in Gauernitz und Ullendorf 35 Asylbewerber, die aus Syrien, dem Irak und aus Pakistan kommen. Darunter sind zwei Familien mit Kindern, sonst sind es überwiegend junge Leute bis 35 Jahre.

„Sie sollen sich ohne Angst mutig auf den Weg in ihr neues Leben machen, sich integrieren und mit ihren neuen deutschen Nachbarn in Einklang und Vielfalt leben“, wandte sich jetzt der Bürgermeister in einem Info-Heft an die Asylbewerber. Das Netzwerk hat diese Broschüre in englischer und arabischer Sprache verfasst und drucken lassen. Den Neu-Bürgern soll damit das Einleben erleichtert werden. Da wird die Gemeinde mit ihrer Wirtschaft, Schulen und Einrichtungen vorgestellt. Es gibt Karten und Pläne, auch ein Behördenwegweiser ist mit dabei sowie Infos zu Freizeit- und Einkaufsmöglichkeiten und Verkehrsverbindungen. Sogar die deutschen Buchstaben und gängige Begriffe für Haushalt und Alltag sind darin enthalten.

Bitte an die Regeln halten

Aber auch klare Worte an die Asylbewerber gibt es darin. Der Röhrsdorfer Pfarrer Christoph Rechenberg verwies da auf eine Passage, in der es heißt: „In einer neuen Umgebung kann es zu Missverständnissen kommen. Das können Sie verhindern, indem Sie sich an die Gesetze und Regeln in Ihrem Gastland halten. Sie sind Menschen und wir sind Menschen. Die Deutschen wollen ihre Lebensweise beibehalten, weshalb wir uns darauf freuen, wenn Sie sich dazu gesellen und die Gepflogenheiten in Deutschland akzeptieren und annehmen. Die Deutschen wollen aber auch Sie und Ihre Kultur kennenlernen. Wir freuen uns auf ein schönes und buntes Miteinander.“

In vergangenen Tagen hatten Pädagogen, die im Netzwerk mitarbeiten schon Asylbewerbern in ihren Wohnungen erste deutsche Wörter beigebracht. Am Mittwochabend fand ein Deutschkurs in den Räumen der Kirchgemeinde in Sora statt. Das Netzwerk half bereits mit Gegenständen für den Haushalt, auch zu einem gemeinsamen Spaziergang in der Umgebung traf man sich schon. Eine Gruppe wird sich um Beschäftigungen kümmern, Vereine werden da einbezogen. In der Röhrsdorfer Kirche soll demnächst ein Treff stattfinden, wo sich die Flüchtlinge den Bürgern vorstellen. „Unser Netzwerk wirbt auch für Akzeptanz unter den Einheimischen. Nur so können wir diese komplizierte Situation bewältigen“, sagt Lehrerin Daniela Voigt aus Sora. Am 16. November findet 18 Uhr in der Miltitzer Kirche ein Info-Treff statt.

Das Netzwerk wird auch Kontakt zu Betrieben knüpfen. Denn unter den Asylbewerbern gibt es Informatiker, Statiker, Bäcker, Elektriker, Lehrer und weitere Leute mit guten Ausbildungen. „Nur im Miteinander kommen wir zu einem guten Zusammenleben“, sagt Pfarrer Rechenberg.

(Sächsische Zeitung vom 05.11.2015)